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08 Dezember 2017
04 Oktober 2014
Desiderata ° Max Ehrmann
Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast
und denke an den Frieden der Stille.
So weit als möglich, ohne dich aufzugeben,
sei auf gutem Fuß mit jedermann.
Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus,
und höre Andere an,
auch wenn sie langweilig und unwissend sind,
denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.
und denke an den Frieden der Stille.
So weit als möglich, ohne dich aufzugeben,
sei auf gutem Fuß mit jedermann.
Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus,
und höre Andere an,
auch wenn sie langweilig und unwissend sind,
denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.
Meide die Lauten und Streitsüchtigen.
Sie verwirren den Geist.
Vergleichst du dich mit anderen,
kannst du hochmütig oder verbittert werden,
denn immer wird es Menschen geben,
die bedeutender oder schwächer sind als du.
Erfreue dich am Erreichten und an deinen Plänen.
kannst du hochmütig oder verbittert werden,
denn immer wird es Menschen geben,
die bedeutender oder schwächer sind als du.
Erfreue dich am Erreichten und an deinen Plänen.
Bemühe dich um deinen eigenen Werdegang,
wie bescheiden er auch sein mag;
er ist ein fester Besitz im Wandel der Zeit.
Sei vorsichtig bei deinen Geschäften,
denn die Welt ist voller Betrügerei.
Aber lass deswegen das Gute nicht aus den Augen,
denn Tugend ist auch vorhanden:
Viele streben nach Idealen,
und Helden gibt es überall im Leben.
Sei du selbst.
Täusche vor allem keine falschen Gefühle vor.
Sei auch nicht zynisch, wenn es um Liebe geht,
denn trotz aller Öde und Enttäuschung verdorrt sie nicht,
sondern wächst weiter wie Gras.
Höre freundlich auf den Ratschlag des Alters,
und verzichte mit Anmut auf die Dinge der Jugend.
Stärke die Kräfte deines Geistes,
um dich bei plötzlichem Unglück dadurch zu schützen.
Quäle dich nicht mit Wahnbildern.
Viele Ängste kommen aus Erschöpfung und Einsamkeit.
Bei aller angemessenen Disziplin,
sei freundlich zu dir selbst.
Genau wie die Bäume und Sterne,
so bist auch du ein Kind des Universums.
Du hast ein Recht auf deine Existenz.
Und ob du es verstehst oder nicht,
entfaltet sich die Welt so wie sie soll.
Bleibe also in Frieden mit Gott,
was immer er für dich bedeutet,
und was immer deine Sehnsüchte und Mühen
in der lärmenden Verworrenheit des Lebens seien –
bewahre den Frieden in deiner Seele.
Bei allen Täuschungen, Plackereien und zerronnenen Träumen
ist es dennoch eine schöne Welt.
Sei frohgemut.
Strebe danach, glücklich zu sein.
Max Ehrmann, "Desiderata" oder "Lebensregel von Baltimore", 1927
Übertragung von Heiko Haller
12 November 2013
Schwelle zur dunklen Zeit
Spät ist schon der Herbst
Die Schwelle zur dunklen Zeit
Ist schon halb überschritten
Der Winter schickt bereits
Seine treuen Geister
Den Raureif am Morgen
Die stillen, grauen Nebel
Die brausenden Stürme
Die schweren Wolken
Die lichten, kühlen Tage
Und die länger werdende Dunkelheit
Die Dunkelheit aber schickt er
Als ein Gefäß des Lichts
In der die Keime des Frühlings
Sich zur Ruhe betten
In der die Zeit den Geschichten
Und Erinnerungen gehört
In der ein jedes Licht
Noch heller leuchtet
Nun rüstet sich die Seele
Für ihren Weg nach innen
Zu ihrem eigenen Licht
Sie sucht die Erlebnisse des Jahres
Und all seine Geschenke zusammen
Die sie dem Licht zeigen wird
Denn in der hellen Zeit
Hat sie es nicht sehr oft besucht
Dann wird es wie ein Treffen
Zweier alter Freunde sein
Die sich beide schon erwarten
Und viel zu erzählen haben
Denn die Seele spricht
Nicht nur zum Licht
Sondern das Licht
Spricht auch zur Seele
Beide werden sie Geschenke tauschen
Sich aneinander freuen
Und durch einander leuchten
18 März 2013
Was haben die Massai?
Sie haben
kleinere Häuser, aber größere Familien. Keine
Bequemlichkeiten, aber viel Zeit. Weniger
Wissen, aber größeres Urteilsvermögen.
Sie haben keine
Experten, weil sie keine Probleme haben. Sie rauchen
nicht, trinken nicht, lachen oft, wandern
lange Strecken, regen sich nie auf, gehen früh
schlafen, stehen früh und frisch auf, lesen
nicht, schauen weit ins Land, und beten mit Hingabe. Sie haben
wenig Besitz, aber hohe Werte.
Sie wissen
nicht, ob sie morgen genügend zu essen bekommen, aber sie wissen, wie man heute
lebt. Sie haben
nur 44 Jahre Lebenserwartung, aber diese leben sie mit Freude. Sie kommen
nicht zum Mond, aber oft an die Hütte der Nachbarn.
Sie kennen
den Weltraum nicht, aber sie haben inneren Frieden. Sie können
keine Atome spalten, sind aber offen für jeden.
Sie
brauchen keine Schaufenster, weil sie alles zum Leben bei sich haben. Keine
moderne Technik, die Texte wie diesen in Windeseile in alle Welt tragen können.
Wenn sie
die Wahl hätten, sie würden ihr Leben nicht ändern, denn sie sind ein
glückliches Volk!
Gert von
Kunhardt
19 Januar 2013
Ich wünsche Dir Zeit ° Elli Michler
Ich
wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freun und zu lachen,
und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas draus machen.
Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche Dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, Sie möge Dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben!
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freun und zu lachen,
und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas draus machen.
Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche Dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, Sie möge Dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben!
Elli Michler
27 Oktober 2012
Kostbarkeit
Wenn der Moment wie ein Diamant glitzert
Wenn Zweige elegante Tänzer sind
Wenn der Augenblick in Eis festgehalten ist
Wenn Inseln aus einem steinernen Meer wachsen
Wenn ich die Adern des Lebens spüren kann
Wenn ich blaue Schatten fallen sehe
Wenn ich auf goldenen Teppichen gehe
Wenn sich Blätter zart aneinander lehnen
Wenn mich das Spiel des Sonnenlichts berührt
Wenn ich die verschwenderischen Kleinder der Bäume bestaunen kann
Wenn mein Auge an kunstvoll gewebten Mustern hängen bleibt
Bewundere ich die Kostbarkeit, die mich umgibt
Und ich bin glücklich, in all dem zuhause zu sein
20 Juli 2012
Wenn die Vögel singen
Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit den
Bäumen oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was die Vögel sagen
oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern, wenn sie
langsam und sanft den Strand berühren.
Der Mensch
in all seiner Klugheit kann nicht verstehen, was der Regen spricht, wenn er auf
die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiß
nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.
Aber das
Herz des Menschen ist imstande, die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu
begreifen. Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen
Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch
abseits steht, sprachlos und verwirrt. Und hat der Mensch nicht Tränen
vergossen über diese Stimmen? Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis
seines Verstehens?
Khalil Gibran
08 Juli 2012
Warum sich die Sonnenblume zur Sonne dreht
Lange bevor in
unseren Gärten die goldenen Sonnenblumen zu leuchten begannen, herrschte im
Grünen Kaiserreich der Grüne Kaiser, der hatte eine einzige Tochter, schön wie
eine Frühlingsblüte. Aber der Kaiser machte sich große Sorgen um sie, denn die
Prinzessin wollte nicht heiraten.
Keiner der Prinzen,
ob groß oder klein, ob hell- oder dunkelhaarig, gefiel ihr. Auf ihres Vaters
Zureden antwortete sie stets: "Mir gefällt nur der Sohn der Sonne."
Eines Tages geriet
der Kaiser darüber in Zorn und rief: "Also geh und nimm den Sohn der Sonne
zum Gemahl, mir aber komm nicht mehr unter die Augen!"
Die Prinzessin machte
sich auf den Weg. Sie wanderte immer nach Osten, über Berg und Tal, durch
Wälder und Wüsten, bis sie zu dem hohen Berg gelangte, auf dem die Sonne ihren
Palast hatte.
"Was suchst du
hier Mädchen? fragte dort eine alte Frau und begrüßte sie.
"Ich möchte zum
Sohn der Sonne", erwiderte die Prinzessin und erzählte, warum ihr Vater
sie aus dem Haus gejagt hatte. Die Alte fand an dem Mädchen Gefallen.
"Ich bin die
Sonne", sagte sie, "und ich gebe dir meinen Sohn zum Gemahl. Aber
wenn du bei ihm bleiben willst, darfst du ihm niemals ins Gesicht
schauen."
Das versprach die
Prinzessin, und lange Zeit hielt sie ihr Versprechen. Ein ganzes Jahr lebte sie
mit dem Sohn der Sonne glücklich und zufrieden. Aber schließlich wurde sie doch
neugierig. Warum sollte ich dem Sohn der Sonne nicht ins Gesicht sehen dürfen,
schließlich ist er mein Gemahl, überlegte sie immer wieder. Der Sonne fiel ihre
Nachdenklichkeit auf.
Mitleidig sagte sie:
"Ich weiß, was dich quält, und gebe dir einen guten Rat. Stell ein Glas
Wasser vor deinen Gemahl und schau dir darin sein Spiegelbild an. Aber eines
merke dir: Wenn du zu lange dabei verweilst, wird er es bemerken, und dann
ergeht es dir schlecht."
Die Prinzessin tat,
wie die alte Frau ihr geheißen. Als der Sohn der Sonne abends heimkehrte,
stellte sie ein Glas Wasser vor ihn hin und schaute hinein. Im Glas zeigte sich
das Gesicht ihres Gemahls, und es war so schön und freundlich, dass ihr schier
das Herz stehen blieb. Sie vergaß die Warnung der Sonnenmutter und sah das
Spiegelbild so lange an, bis ihr Gemahl es bemerkte.
Zornig rief er:
"Wenn du nicht gehorchen kannst, will ich dich nicht hier haben!" Und
er vertrieb die Prinzessin aus dem Palast.
Weinend lief sie über
Stock und Stein. Aber weit ist sie nicht gekommen. Als sie über ein Feld lief,
erbarmte sich die Sonne und verwandelte sie in eine hochragende Pflanze mit
einer großen gelben Blüte. Die große gelbe Blüte drehte sich sogleich der Sonne
zu, und das macht sie noch heute. Die Menschen nannten sie Sonnenblume.
Armenien
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