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30 November 2017

Frage zur Inspiration: Welche Orte nennst Du …

… Zuhause oder Heimat?




Was macht oder machte für Dich diese Orte zu einem Zuhause?

Was für ein Gefühl ist das, wirklich zuhause zu sein?

Oder ist es auch ein Bereich, eine Welt in Deinem Inneren?

Kannst auch Du einem anderen Menschen ein Zuhause geben?


Mit diesem Türchen endet nun der November-Kalender der Lebenslilie. Hoffentlich war auch etwas Entspannendes, Entschleunigendes oder Inspirierendes für Dich dabei und hat Dir den düsteren Herbstmonat ein wenig angenehmer gestaltet. Mir hat es Freude bereitet, Dich zu begleiten und auch für mich Dinge zu sammeln, die den November ein bisschen aufgehellt haben.

Hab eine schöne Adventszeit mit genügend Gelegenheiten für gemütliche Pausen und inspirierte Gedanken.
Bis bald…

Deine Lebenslilie


Noch mehr Anregungen, um die Welt einmal mit anderen Augen zu betrachten, findest Du unter der Rubrik „Inspiration“. Und falls Du Lust hast, noch mehr Tipps gegen den Blues in der dunklen Jahreszeit zu lesen, könnte Dir auch "Gut gegen Novemberblues" und "4 Tipps zum schnellen Durchwärmen" gefallen.

29 November 2017

Der Geschichtenerzähler

Wie man Geschichten erzählen soll?
So, dass sie einem selbst helfen.

Mein Großvater war lahm. Seine Beine hatten wenig Kraft und waren steif geworden vom Ruhen. Einmal bat man ihn, doch eine Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen. Er überlegte einen Moment und legte den Kopf auf die eine und dann auf die andere Seite. Dann zog ein Leuchten über sein Gesicht. Er begann zu berichten, wie der große Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Sehr ungewöhnlich für einen berühmten Lehrer.

Mein Großvater stand also auf und erzählte von dem großen Mann. Er deutete nur an, machte ein paar Bewegungen mit den Händen und den Armen. Dann fuhr immer mehr Kraft in seinen Leib und es war anschaulich und eine Freude, die Geschichte zu hören und zu sehen. Seine Erzählung riss ihn derart hin, dass er hüpfend und tanzend vorführen musste, wie der Meister es seinerzeit getan hatte. Alle sollten verstehen, wie Baalschem betete.

Und von der Stunde an war er geheilt.
So soll man Geschichten erzählen!

Nach einer chassidischen Legende


Wenn Dir allerlei weise und unterhaltsame Erzählungen und dergleichen gefallen, findest Du unter "eine Geschichte lesen" noch viel mehr Lesefutter.

28 November 2017

Gedicht "Novembertag" von Clara Müller-Jahnke




Novembertag

Geht ein sonnenloser Tag
wiederum zur Neige,
und der graue Nebel tropft
durch die kahlen Zweige. 

Leise atmend ruht die See,
müde, traumumsponnen ...
eine Woge, schaumgekrönt,
ist im Sand zerronnen.

Clara Müller-Jahnke



Und hier noch einmal zum Weiterschenken als Bild...




Mehr Poesie mit Bildern aus der Natur findest Du unter "ein Gedicht lesen".


27 November 2017

Herbstzauber in der Natur

So spät der Herbst schon ist, so zauberhaft kann er noch sein. Es gibt so viel zu entdecken in der Natur: Bunte Blätter, funkelnde Tautropfen und Bäume, die wie zum Tanz ihre Stämme und Äste in den Himmel recken.

Wenn man genau hinschaut, kann man bei einigen Pflanzen sogar entdecken, dass sie schon ihre Samen angelegt haben. Für den Nachwuchs im kommenden Jahr hat Mutter Natur auch schon gesorgt.

Dass das Wandern und Spazieren in der Natur förderlich auf die Gesundheit wirkt, ist ein Allgemeinplatz. Die Forschung macht u.a. die Terpene in der Waldluft dafür verantwortlich.

Zudem reagieren wir Menschen sogar auf den Anblick von Grün und blauem Himmel mit einem leicht gestärkten Immunsystem. Er wirkt sich zusätzlich positiv auf die Stimmung aus.

Die Farben grün und blau geben ein Signal an sehr alte Anteile des menschlichen Bewusstseins, dass wir uns in einem gesunden Lebensraum befinden, der uns nährt und beheimaten kann.

Also, tu doch gleich etwas für Deine Gesundheit und genieße diese Herbstbilder von einem Spaziergang am vergangenen Wochenende im ausgehenden Herbst.

Klicke gern auf die Bilder, um sie zu vergrößern...























Noch mehr Naturfotos findest Du in der Bildergalerie unter Bäume, Blätter, Blumen und Blüten und noch weiteren Rubriken.

26 November 2017

"Clair de Lune" - Musik und Gedicht in einer besonderen Interpretation

Als das wohl berühmteste Stück aus der Suite Bergamasque von Claude Debussy gilt „Clair de Lune“. Es klingt zart und geheimnisvoll – ist Musik gewordene Poesie.

Es wird angenommen, dass das Gedicht „Clair de Lune“ (1869) von Paul Verlaine eine Vorlage dazu gewesen sein könnte. Debussy hatte es als Lied vertont und so könnte eine weitere Anlehnung daran naheliegen.

Was jedoch genau in Claude Debussy vorgegangen ist, als er dieses besondere Stück komponierte, vermochte er vielleicht sogar selbst nicht zu sagen. Im Schöpfungsprozess der Musik liegt einfach auch Magie. Er selbst soll einmal geäußert haben:

"Wir sollten uns immer daran erinnern, dass die Schönheit eines Kunstwerks etwas ist, das immer mysteriös bleiben wird; man sagt, man könne niemals genau herausfinden „wie es entstanden ist“. Lassen Sie uns unter allen Umständen dieses Element der Magie bewahren, das das Eigentümliche an der Musik ist. Es liegt in der Natur der Musik, etwas Magisches zu enthalten, noch mehr, als bei jeder anderen Kunstform."

In einer träumerischen, eigenen Interpretation stellte die Pianistin Khatia Buniatishvili das Klavierstück 2014 vor. Sie lässt es entspannt atmen und außergewöhnlich schimmern. Die in Paris lebende Georgierin gilt als ein neuer Stern am Klassikhimmel und erhielt 2016 den ECHO-Klassik für ihr Album Kaleidoscope.

Wenn Du magst, lausche doch zuerst dem Klavierspiel und lies danach die Übersetzung des französischen Gedichts von Stefan Zweig. Lass Dich verzaubern...




 

Mondschein


So seltsam scheint mir deine Seele, wie
ein Park, durch den ein Zug von Masken flimmert,
doch Tanz und ihrer Lauten Melodie
verbirgt nur Schmerz, der durch die Masken schimmert.

Von Liebe singen sie, bespöttelnd ihr Geschick,
doch Mollklang macht das lose Klimpern trüber,
es scheint, sie glauben selbst nicht an ihr Glück,
und leise rinnt ihr Lied in Mondschein über.

Im Mondschein, der, sanfttraurig, blass und blank,
die Vögel träumen lässt hoch in den Bäumen
und schluchzen die Fontänen, dass sie schlank
und schauernd in die Marmorschalen schäumen.

Paul Verlaine
Übersetzung von Stefan Zweig

Im YouTube-Kanal der Lebenslilie findest Du auch eine bezaubernde Version mit winterlichen Bildern. Gespielt wird Clair de Lune hier von dem Pianisten Yuli Lavrenov, für den die Lebenslilie auch einige Video-Clips gestaltet hat.

25 November 2017

Der Nagel

Ein Kaufmann hatte auf der Messe gute Geschäfte gemacht, alle Waren verkauft und seine Geldkatze mit Gold und Silber gespickt. Er wollte jetzt heimreisen und vor Einbruch der Nacht zu Haus sein. Er packte also den Mantelsack mit dem Geld auf sein Pferd und ritt fort. Zu Mittag rastete er in einer Stadt; als er weiter wollte, führte ihm der Hausknecht das Ross vor, sprach aber:

„Herr, am linken Hinterfuß fehlt im Hufeisen ein Nagel.“

„Lass ihn fehlen“, erwiderte der Kaufmann, „die sechs Stunden, die ich noch zu machen habe, wird das Eisen wohl festhalten. Ich habe Eile.“

Nachmittags, als er wieder abgestiegen war und dem Ross Brot geben ließ, kam der Knecht in die Stube und sagte:

„Herr, Euerm Pferd fehlt am linken Hinterfuß ein Hufeisen. Soll ich's zum Schmied führen?“

„Lass es fehlen“, erwiderte der Herr, „die paar Stunden, die noch übrig sind, wird das Pferd wohl aushalten. Ich habe Eile.“

Er ritt fort, aber nicht lange, so fing das Pferd zu hinken an. Es hinkte nicht lange, so fing es an zu stolpern, und es stolperte nicht lange, so fiel es nieder und brach ein Bein. Der Kaufmann musste das Pferd liegen lassen, den Mantelsack abschnallen, auf die Schulter nehmen und zu Fuß nach Haus gehen, wo er erst spät in der Nacht erlangte.

„An allem Unglück“, sprach er zu sich selbst, „ist der verwünschte Nagel schuld.“ Eile mit Weile.

Märchen der Gebrüder Grimm


Unter "eine Geschichte lesen" findest Du noch mehr Unterhaltsames, was auch einmal einen Denkanstoß geben kann.

24 November 2017

Eine alte Filmkomödie gegen das Novembergrau

Laut American Film Institute gilt sie als die beste Komödie aller Zeiten. "Manche mögen's heiß" erschien im Jahr 1959 und ist eine sehr vergnügliche Persiflage auf Gangsterfilme und Melodramen.

Bewusst hielt sie der Regisseur Billy Wilder in schwarz-weiß, da das aufgedonnerte Makeup zweier der Hauptdarsteller gegenüber dem der Damen im Farbfilm zu unecht gewirkt hätte.

Der Film spielt im Chicago der 1920er Jahre. Die hungerleidenden Musiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) halten sich mehr schlecht als recht über Wasser.

Als sie auch noch unliebsame Zeugen einer Gangsterfehde werden und daher beiseite geschafft werden sollen, ist guter Rat teuer. Die Rettung ist ein Engagement in Florida, das jedoch nur für Damen gilt.

Kurzerhand verwandeln sie sich in die Konservatoriumsabsolventinnen Josephine und Daphne. Sie bewahren die naive Ukulele-Spielerin und Sängerin Sugar (Marilyn Monroe) vor einem Rauswurf aus der Damenkapelle.

Damit werden sie enge „Freundinnen“. Das Schicksal nimmt allerdings seinen Lauf, als es auf Millionärsfang zwecks Eheanbahnung geht.

In der Filmbranche löste „Manche mögen’s heiß“ zunächst Befremden aus. Es hieß, dass „Blut und Lachen“ sich nicht miteinander vereinbaren lassen.

Trotzdem bauten Wilder und sein langjähriger Partner I.A.L. Diamond die Komödie auf den Mord in der Garage auf. Sie nahmen ihn als Erklärung dafür, dass sich zwei Männer als Frauen verkleiden müssen, um die Geschichte plausibel erscheinen zu lassen.

Marilyn Monroe galt zur Zeit der Dreharbeiten als eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Der Film wird als der Höhepunkt ihrer Karriere angesehen, auch wenn sie diese Art von Rollen eigentlich nicht mehr spielen wollte. Sie starb drei Jahre nach Erscheinen des Films.

Zu sehen ist die Komödie im Internet Archive, einer digitalen Bibliothek des Internets – frei zugänglich u.a. für Historiker, Forscher aber auch für die Allgemeinheit.

Sie wurde 1996 von Brewster Kahle, einem Informatiker, Unternehmer und Aktivisten gegründet. Die Non-Profit-Organisation will Bücher, Texte, Audios, Bilder, Software und Filme, die unter freier Lizenz oder Public Domain stehen, der Öffentlichkeit verfügbar machen.

Und nun viel Spaß beim Spiel mit den ironisch überspitzten Geschlechterrollen, Travestie und einem „subversiven Humor“ à la Billy Wilder.




Und noch einmal hier als Link.


Bilder: Screenshots aus dem Film

23 November 2017

Frage zur Inspiration: Wie ist es, wenn…

... Du Deiner inneren Stimme zuhörst? 




Im Alltagsgetümmel kann es manchmal ganz schön laut werden im Kopf. Gedanken können wie  aufgescheuchte Hühner herumspringen und so laut sein, dass man seine eigene Stimme gar nicht mehr hören kann.

Es ist gut, sich immer einmal wieder einige Momente zu nehmen, um still zu werden und die eigene innere Stimme zum Gespräch einzuladen. Nicht, dass sie irgendwann beleidigt ist, weil man keine Zeit für sie hatte und sich abwendet und Leere zurücklässt.

Den Freund an der Stimme erkennen


Am schönsten ist es natürlich, sich eine Regelmäßigkeit zu schaffen, damit man sich gar nicht erst zu weit von sich selbst entfernt. So, als würde man einen guten Freund treffen, mit dem man sich austauschen kann und der immer wahrhaftig und ehrlich mit einem spricht. Ein "Ich wollte einfach mal wieder Deine Stimme hören", kann Nähe und Vertrautheit bewahren.

Aber woran erkennst Du, dass es Deine innere Stimme ist? Die Stimme, die Dir von Deinen wahren Wünschen und Bedürfnissen erzählt? Von dem, wer Du bist? Wie hört sie sich an? Ist sie leise und flüsternd? Ist sie klar und gut vernehmbar? Ist sie singend und leicht?

Wie ist es, wenn Du Deiner inneren Stimme zuhörst? 

22 November 2017

Novembertag von Christian Morgenstern





Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus, 
drängt die Welt nach innen; 
ohne Not geht niemand aus; 
alles fällt in Sinnen. 
Leiser wird die Hand, der Mund, 
stiller die Gebärde. 
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern 



Zum Weiterschenken hier noch einmal das Novembergedicht als Bild:




Noch mehr Poesie findest Du unter "ein Gedicht lesen"...

21 November 2017

Der Anspruch und das Glück


Dummerweise können wir unserem Glück nicht nahekommen, wenn uns ein großer Anspruch im Weg steht und uns die Sicht darauf versperrt. 


Lebenslilie


Und noch einmal als Bild auch zum Weiterschenken.



Mehr Sprüche und Inspirationen findest Du hier ...

19 November 2017

An die Natur etwas zurückgeben

In früheren Zeiten war es üblich, dem Landesfürsten oder der Kirche / den Tempeln ein Zehntel der Ernte oder des Viehbestandes abzugeben. Damit sollten deren Dienste an der Gemeinschaft finanziert und die entsprechenden Gebäude erhalten werden. Selbst in vorchristlicher Zeit opferte man einen Anteil des Landesertrags. Man gab ihn den Naturgöttern und Ahnen, damit sie wohlgesonnen blieben und ebenfalls versorgt waren. Könnte man nicht auch heute etwas an die Natur und ihre wilden Bewohner zurückgeben und sie damit versorgen und ehren? 


Wenn Du zu Deinen nächsten Spaziergängen aufbrichst, versuche doch einmal der Natur in Form von Vogelfutter etwas zurückzugeben. Etwas auf Mauern oder Ästen ausgestreut, da nicht alle Vogelarten ihre Nahrung am Boden suchen. Etwas am Boden ausgestreut, für die „Tiefflieger“. Die Wildgänse auf den Wiesen mögen körnige Haferflocken, wie mir eine Vogelschützerin des NABU versicherte und um möglichst regelmäßiges Zufüttern bat. 

Vielleicht kannst Du auch einen Apfel dazulegen oder Eichhörnchen mit Nüssen versorgen. Falls Du einen Garten, eine Terrasse oder Balkon besitzt, könntest Du Vogelhäuschen aufstellen und regelmäßig mit Futter füllen. Im Garten könnte man auch mit ein wenig Unordnung in Form von Laubhaufen, verwilderten Ecken und Totholz-Stapeln zum Unterschlupf für die Tiere sorgen, ein Insektenhotel aufstellen und Bruthäuschen in die Bäume hängen. Und dies wäre noch aus einem anderen Grund schön.

In Deutschland z.B. ist die Zahl der Vögel drastisch gesunken. Es fehlen immer mehr geeignete Lebensräume und Insekten, als Nahrungsmittel, sterben durch Insektizide und Unkrautvernichter. Teilweise sind bis zu 80 % der kleinen „Lästlinge“ verschwunden. Landwirtschaftliche Monokulturen tun ihr übriges und sehr effiziente Erntemethoden lassen kaum mehr Reste für die Tiere übrig. Es wäre traurig, wenn ein stummer Frühling kommen würde, weil wir den Vögeln ihre Lebensgrundlage mehr und mehr entziehen. Und sicher ist Dir, wenn Du Autofahrer bist, schon aufgefallen, dass die Windschutzscheiben im Sommer auf der Autobahn längst nicht mehr von Insekten übersäht sind.

Es gibt viele Möglichkeiten, der Natur ein wenig zurückzugeben. Auch wenn es nicht viel ist, wenn Einzelne sich dessen bewusst sind und die Tiere – nicht nur im Spätherbst und Winter – füttern. Aber man könnte auch andere dazu animieren. Menschen, die gern spazieren und wandern gehen, Gartenbesitzer, Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis. Selbstverständlich muss besonders auf politischer Ebene viel getan werden. Jedoch kann man auch im Kleinen schon einmal sofort und ganz praktisch damit beginnen, der Natur etwas zurückzugeben. Eben einen „Zehnten“, um sie zu ehren und ihr zu danken.

Zudem macht uns das uneigennützige Sorgen für unsere Mitwesen auch noch glücklich. Bei ehrenamtlichem, freiwilligem Tun werden Glücksbotenstoffe in unserem Organismus freigesetzt. Ein schlauer Trick von Mutter Natur, damit wir nicht nur um uns selbst kreisen. Und wenn es Dein Zeitplan nicht zulässt, Dich regelmäßig in einem festen Ehrenamt zu betätigen, sieh doch vielleicht diesen Dienst an der Natur als Deinen Beitrag zum großen Ganzen. Eine schöne Gegengabe an die Natur, die uns so reichlich mit so Vielem beschenkt.

Falls Dich ein weiterführender Bericht zum Thema Vogel- und Insektensterben interessiert, findest Du auf der Internetseite des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein ausführlichen und weitergehend verlinkten Lesestoff.


18 November 2017

Erkältungszeit und was ein guter Freund rät

Herbstzeit ist leider auch Erkältungszeit. Vielleicht kommen wir daran vorbei mit Glück, dem Segen eines starken Immunsystems und guter Selbstfürsorge. Aber es kann auch einfach passieren, dass man sich verkühlt oder ein freundlicher Mitmensch – als Viren-Mutterschiff unterwegs – uns anniest und es kann dann einfach passiert sein. Man hat sich womöglich angesteckt und bemerkt schon die ersten Anzeichen.

Möglicherweise kommt man dann nachhause, es zieht schon in Gelenken und Muskeln, der Kopf schmerzt, der Hals ist rau, die Nase läuft. „Ach, jetzt einfach nur hinlegen und schlafen“, kann dann der Wunsch sein, aber es meldet sich eine Stimme im vernebelten, fiebrigen Kopf und fragt: „Was ist mit morgen zur Arbeit?“ Und man greift zum Hörer und ruft einen guten Freund an, um sich zu klären und Rat zu holen. Das Gespräch könnte ungefähr so verlaufen.

Du: „Hallo, ich musste Dich jetzt einfach mal anrufen. Mir geht’s nicht gut und ich überlege, ob ich morgen zur Arbeit gehe oder lieber zum Arzt, um mich krankschreiben zu lassen.“

Freund: „Oha, wieso, was hast Du denn?“

Du: „Mir tun alle Gräten weh und der Hals ist rot, die Nase läuft, ich habe Kopfschmerzen und bin völlig erschlagen. Ich glaube, ich habe mich erkältet. (husten)“

Freund: „Was, Du hast einen Schnupfen und willst damit zum Arzt gehen?“

Du: „Mir geht’s ziemlich schlecht und ich glaube, ich brauche Bettruhe und …“

Freund: „Ins Bett mit Schnupfen? Ich glaube, es geht los! Sei kein Weichei, das geht doch schnell wieder weg. Reiß Dich mal zusammen.“

Du: „Nein, kein Schnupfen, mit tut wirklich alles weh und … (schneuzen)“

Freund: „Na, na, na, ein kleiner Infekt haut einen doch nicht gleich um. Da nimmt man eine Tablette, geht früh ins Bett und morgen Früh geht’s schon wieder. Hättest Dich eben nicht bei den Kollegen anstecken sollen. Geh halt mehr an die frische Luft, trainiere mal wieder und ernähre Dich gesünder. Tu mal was für Deine Gesundheit. Hast doch selbst Schuld. Jetzt lass Dich mal nicht so hängen.“

Du: „Ich lasse mich nicht hängen. Mir platzt gleich der Kopf und ich fühle mich richtig schwach… (krächzen)“

Freund: „Ja, schwaaach. Was soll denn Dein Chef denken, dass Du mit Schnupfen zuhause bleibst? Da kannst Du Dir gleich Deine Kündigung abholen. Wer will denn so eine Memme durchschleppen, die gleich beim nächsten kühlen Lüftchen umfällt? So einen Stein hast Du auch nicht bei ihm im Brett, dass Du Dir sowas leisten kannst.“

Du: „Ich weiß, aber… (husten)“

Freund: „Nichts aber… Es gibt so viel zu tun. Du kommst doch jetzt schon kaum hinterher. Dann bleibt entweder alles liegen oder Deine Kollegen müssen Deine Sachen übernehmen. Die werden auch nicht gerade begeistert sein. Die haben doch auch genug auf dem Zettel. Was werden die von Dir denken? Oh, sie hat wahrscheinlich Faulfieber und liegt schön auf dem Sofa, während wir hier pujacken müssen. Das werden sie sagen.“

Du: „Aber was nützt es denn, wenn ich so krank… (niesen)“

Freund: „Ja, aber überleg doch mal. Deine armen Kollegen, das kannst Du denen doch nicht antun und die viele Arbeit! Wie willst Du das denn wieder aufholen? Wer soll das denn alles machen? Wenn das alles liegen bleibt, dann kannst Du die Termine nicht einhalten und dann läuft alles schief und Du musst es wieder ausbügeln, wenn Du wiederkommst. Das klappt doch nie! Du kannst doch nicht alle im Stich lassen. Sowas macht man nicht! Wo bleibt denn da die Arbeitsmoral?“

Du: „Ja, aber wenn ich… (nochmal niesen, kräftig)“

Freund: „So war man in Deiner Familie aber nicht drauf. Da hat man sich am Riemen gerissen und ist nicht bei jeder Kleinigkeit eingeknickt und an einem Schnupfen halb gestorben. Außerdem, wenn das alle so machen würden, bei jedem Zipperlein zuhause zu bleiben, dann kann die Firma ja gleich schließen. Was ist, wenn denen auffällt, dass Du eigentlich gar nicht so fehlst. Dann bist Du Deinen Job los, weil jemand anderes ihn besser machen kann. Und dann such Dir mal was Neues. Du weißt, wie schwer das ist. Und da geht es womöglich noch härter zu. Da kennst Du die Leute nicht und in der Probezeit darf man nicht krank werden, wenn man sie denn übersteht. Du weißt, wie es ist.“

Du: „Oh nein, ich… (Hustenanfall)“

Freund: „Das geht jetzt einfach nicht, das passt doch gar nicht. Wenn Du Dich ordentlich bemühst und denen zeigst, dass Du auch mit Erkältung zur Arbeit kommst, dann wissen sie, dass Du nicht kneifst oder simulierst. Menschenskinder, stell Dich bloß nicht so an. Ein Indianer kennt keinen Schmerz, da muss man eben durch. Bis zum Wochenende schaffst Du das doch noch. Wirst schon nicht davon sterben, mit einem Schnupfen zur Arbeit zu gehen. Das macht doch jeder!“

Du: „(geräuschvolles schneuzen, in den Ohren macht es Plopp)…“

Freund: „Jetzt mach aber mal halblang, Du Drückeberger…“

Und so kann das Gespräch noch stundenlang weitergehen. Kräftezehrend und ziemlich unerbittlich. Mit den tollsten Unterstellungen, Beschimpfungen und Schreckensszenarien, was alles passieren wird, wenn Du Dich tatsächlich krank meldest.

Aber man könnte auch einmal fragen, was das denn für ein fürchterlicher Freund ist, der solche Salven loslässt, wenn man sich in einem so erbärmlichen Zustand befindet. Er kennt kein Mitgefühl. Er wünscht Dir keine gute Genesung und redet Dir auch nicht zu, gut für Dich zu sorgen und Dich auszukurieren, damit es Dir bald wieder besser geht. Das würde Dir wahrscheinlich Deine Kollegin oder Dein Kollege eher sagen, wenn Du morgen in der Firma anrufst und einfach sagst, wie es ist.

Die Kollegen kennen so etwas doch auch und wissen, dass falsches Heldentum nichts nützt. Im Gegenteil, sicher wären sie froh, wenn Du mit Deinem Infekt zuhause bleibst und nicht noch alle ansteckst oder einen Rückfall bekommst und länger ausfällst.

Aber der miese Freund denkt nicht daran und dieser ungehobelte, verständnislose Freund sind wir leider meistens selbst. Denn oft behandeln wir uns reichlich unvernünftig und schlecht, wenn es darum geht, Schwäche oder Krankheit zu akzeptieren. Es kostet viel Kraft, ein solches inneres Streitgespräch auszutragen und es wäre wohl sinnvoller, diese Kraft zu nutzen, um wieder gesund zu werden. Solche „miesen inneren Freunde“ können wir nicht gebrauchen und in einer solchen Situation schon gar nicht. Da helfen Schonung, Aufmunterung, Wärme und ein guter Quendel- (wilder Thymian) oder Ingwertee schon einmal bedeutend besser.

Falls es Dich jetzt gerade erwischt hat, wünsche ich Dir schon einmal sehr gute Besserung und dass Du gut für Dich sorgst und Dich recht bald wieder erholst. Alles Gute für Dich!

Was gute oder schlechte Freunde oder verrückte Chefs noch so meinen können, darüber lies gern bei "mein bester Freund und ich". Sicher errätst Du es schon, es hat mit Selbstfürsorge und der inneren Stimme zu tun. 😉

17 November 2017

Herbstgedicht: November von Max Dauthendey




November


Grau verwirrt der leere Wald.
Mit tausend blauglühenden Ätheraugen,
Hoch durch schwarzen Fichtenbehang, 
Irren Heere blauer gigantischer Blüten.

Von fremden Dolden, 
Niemand hat je sie belauscht, 
Blüht jeder Morgen im Grase 
Eisigen Samen.

Graue Frauen, 
Die lautlos im Reigen kamen, 
Sind lautlos gegangen. 
Der Bleichen Juwelen 
Strahlende Fäden 
Irisgrün, irisgolden, 
Hangen an allen Zweigen.

In nackten Kronen singen 
Wachszarte Ströme der Sonne. 
Um bloße Säulen, 
Auf weißen Schwingen kreist 
Einäugig ein Aar, 
Das Schweigen.

Max Dauthendey 



Und hier noch einmal das Gedicht von Max Dauthendey als Bild zum Weiterschenken.




Mehr Poesie findest Du unter "ein Gedicht lesen"...

16 November 2017

Ralph Waldo Emerson zu Geheimnissen

Der Herbst ist eine Jahreszeit voller Geheimnisse. Auch wenn die Wissenschaft ausgekundschaftet hat, warum und wie sich die Blätter verfärben, es wohnt doch allem ein Zauber inne. Im Herbst gedenkt man besonders der Toten, schmückt ihre Gräber und entzündet "ewige Lichter" für sie. Und jedem fällt vermutlich etwas ein, was man die Verstorbenen noch hätte fragen wollen. So aber, nahmen sie so manches Geheimnis mit ins Grab.

Die dritte Jahreszeit ist auch die Zeit der Hexen und Geister. Zu Allerheiligen feiert man mit altem Brauchtum, das nicht erst mit Halloween-Partys und ausgehölten Kürbissen bekannt ist. In keltischer und vorkeltischer Kultur wähnte man zum Samhainfest (1. November) die Grenze zur Anderswelt als besonders durchlässig. Die Herbststürme galten als Jagd wilder Gottheiten mit ihrem Gefolge durch den Himmel.

Vielleicht ist die Erinnerung an alte Bräuche, mit Festen, bestimmten Speisen, Laternen und allerlei Geschichten, eine gute Art, die düstere Herbstzeit aufzuhellen. Und in unserer sehr technikorientierten Zeit kann die Welt der Geheimnisse doch auch ein gutes Gegengewicht sein, um uns kopfgesteuerte Menschen wieder etwas besser auszubalancieren. Der Kopf vermag so Vieles zu erfinden und zu erdenken, aber die Seele und der Körper müssen auch genährt und geachtet werden.

Die Seite des Geheimnisvollen anzuschauen, liegt sicher tief in unserem Menschsein verankert, um nicht vor lauter Vernunft noch auf den Kopf zu fallen oder diesen gar zu verlieren. Wie sagte Ralph Waldo Emerson so schön? Mir ist lieber in einer von Geheimnissen umgebenen Welt zu leben als in einer, die so klein ist, dass mein Verstand sie begreift.

15 November 2017

10 Gründe, den Herbst zu mögen

Auch wenn der Herbst kalt und regnerisch ist und immer weniger Sonnenstunden spendet, hat er doch auch sehr schöne Seiten, die man ihm abgewinnen kann. Hier sind einfach einmal 10 Gründe dafür gesammelt.




Schön ist der Herbst, weil…



die Sommerhitze die Luft verlassen hat und man sich wieder besser darauf einlassen kann, z.B. ein neues Hobby zu beginnen oder neue Dinge zu erlernen, Kurse zu besuchen, mal wieder zu malen oder zeichnen, zu schreiben oder zu basteln.

Kochen und Backen wieder richtig Spaß macht, wenn die Küchenwärme angenehm ist und leckere Suppen, Eintöpfe und herzhafte Aufläufe wieder gut schmecken und Marmelade zu kochen und Apfelkuchen zu backen, wenn es draußen kalt ist; saisonal auf dem Markt eingekaufte Zutaten laden dazu ein, auch mal alte Familienrezepte auszuprobieren.

draußen tolle Herbstbeschäftigungen winken, z.B. Drachen steigen lassen, Kastanien und bunte Blätter für die Herbstdeko suchen, Pilze sammeln und bei Laternenumzügen dabei sein.

man es sich zuhause richtig gemütlich machen und verregnete Abende guten Gewissens im schlabberigen Lieblingspullover und Kuschelsocken auf der Couch verbringen kann.

man es ein bisschen ruhiger angehen lassen kann und mal richtig ausschlafen, sich Mußestunden nehmen, meditieren und Rückschau halten, wofür man dankbar ist und was man einfach mal aussortieren sollte (Pflichten, Dinge, Ansprüche, Menschen, die nicht guttun …).

⟴ ein Waldspaziergang zu einem tollen Erlebnis wird; die Farben der Blätter sind berauschend, das Laub raschelt unter den Schritten, die Luft ist frisch und duftet würzig, geheimnisvoller Nebel hängt über Wiesen und Feldern und man kann das Licht von Sonnenstrahlen genießen, ohne zu verbrennen.

wieder Wärmezeit ist für schöne Saunabesuche, warme Wannenbäder oder Duschen und die Wärmflasche das Ins-Bett-Gehen kuschelig macht.

die Theater- und Konzert-Saison wieder begonnen hat und der Besuch von Theatern, Ausstellungen oder Lesungen viel mehr Freude macht, wenn es nicht mehr so heiß draußen ist und die lieben Freunde nicht ständig verhindert sind durch Grillfeste, Hochzeiten und allen möglichen Open-Air-Feiern.

man nun mehr Zeit und Muße hat, Bücher zu lesen, die sich vielleicht schon ein wenig stapeln aus der Zeit des Sommers, in der man weniger Lust hatte, still zu sitzen und zu schmökern.

man sich mit Freunden in gemütlicher Runde treffen kann, um gemeinsam zu kochen, Spiele-Abende zu verbringen, Filme zu schauen und am besten jeder bringt etwas Leckeres mit, damit man nach Herzenslust einen Abend genießen kann, wenn es draußen schon kalt und dunkel ist.

Welche Gründe fallen Dir noch ein, den Herbst zu mögen?


14 November 2017

Vom Pflaumenbaum der Goldstücke trug


Es lebte vor Jahren in Schlesien ein verarmter Herr. Einmal, als er sich seine Mahlzeit aus dem Dorfweiher holte, hing ihm ein kleiner weißer Fisch an der Angel, der schrie: „Mach mich los, mach mich los, du kannst dir auch was wünschen!“

Da überlegte der Mann nicht lange, denn ein Fisch, der spricht, kann auch noch andere Dinge. Und so war’s. Er war der Sohn des Zauberers und lernte gerade bei den Fischen, wie man im Wasser lebt. Er konnte schon durch Kiemen atmen und sich mit Flossen fortbewegen. Aber die Fische können ja noch viel mehr. „Wenn ich dich freilassen soll musst du auf meinem Pflaumenbaum Goldstücke wachsen lassen“, sagte der Gutsherr.

„Das kann ich nicht“, antwortete der Fisch, „da musst du meinen Vater, den Erzzauberer bitten. Nimm heute vor Mitternacht ein Boot und fahre in die Schilfstraße ein. Dort, wo sie sich gabelt, wähle die rechte Schneise und rudere bis zum Schilfrohr mit den fünf goldenen Kolben. Dahinter führt ein Kanal, so eng wie ein Nadelöhr, zu unserem Wasserschloss. Der Kanal öffnet sich dir, wenn du sprichst: „Vogel und Fisch, Mensch oder Baum – Alles was lebt, einigt im Traum.“

Der Baron tat, wie ihm geheißen. Als sein Kahn zu dem Schilfrohr mit den fünf goldenen Kolben kam, sagte er den Spruch. Da öffnete sich der Kanal, so eng wie ein Nadelöhr, und sein Fahrzeug glitt glatt hindurch. Dann kam er zu dem Wasserschloss. Zwischen schimmernden Gärten saß, umgeben von sieben Töchtern und zwölf Söhnen, der Erzzauberer in seinem Schiff mit Segeln aus Fledermausflügeln. Er sprach mit dem Atmen des Windes und der Stimme der Wogen:

„Du hast Mut, dich vor mein Angesicht zu wagen“, sagte er. „Wenn ich wollte, könnte ich dich in ein Sandkorn verwandeln und in die Wüste blasen.“ „Das könnt ihr nicht, Herr“, widersprach der Baron, „denn euer Sohn hat mir versprochen, dass ihr mir einen Wunsch erfüllt. Wenn ihr das Wort nicht haltet, verliert Ihr eure Zauberkraft.“ „Nenne deinen Wunsch und mach dich davon!“, befahl der Erzzauberer. Er war in Eile, denn er hatte eine Verabredung auf dem höchsten Berg der Welt. „So wünsch ich mir, dass auf meinem Pflaumenbaum Goldstücke wachsen“, sagte der Gutsherr. „Wenn’s weiter nichts ist!“ brummte der Zauberer. „Ihr Menschen denkt immer nur an Geld. Geh nach Hause und warte den Herbst ab, dann kannst du die Münzen vom Baum schütteln.“

Da bedankte sich der Mann, wendete seinen Kahn und fuhr durch den Kanal fuhr durch den Kanal, so eng wie ein Nadelöhr, wieder zurück. Gleich ging er zu seinem Pflaumenbaum und schaute nach, ob nicht vielleicht schon ein kleines Goldstück heranwuchs. Aber er sah nur linsengroße, grüne Stummelchen. Es waren ja noch zweieinhalb Monate bis zur Ernte. Der arme Baron, den seine Schulden wie Mühlsteine drückten, lief jetzt jeden Morgen aus dem Haus, um nach seinen Goldmünzen zu sehen, es blieben aber Pflaumen bis in den September hinein.

Eines Nachts, als schon der Herbstwind die Baumkronen schüttelte, hörte er’s klingen und klirren, als ob ein Sack Dukaten ausgeschüttet würde. Und als er in den Garten stürzte, hing der Pflaumenbaum voller Goldstücke mit dem Bild des Kaisers. Da tanzte er vor eitel Glück dreimal um den Baum herum, und dann schüttelte er ihn, dass ihm die Dukaten auf den Kopf regneten. In ein paar Säcken sammelte er sie ein, und es hingen immer noch welche hoch oben.

Sein Nachbar aber, der nicht schlafen konnte, weil ihn das Zahnweh plagte, hörte das Klirren und Klingeln und kam herbei, denn er meinte, bei dem Baron zersprängen die Fensterscheiben. Als er sah, was sich tat, drohte er dem anderen mit dem Gericht. Wegen Hexerei wollte er ihn anzeigen, doch dann gab er sich mit der Hälfte der Erntesegens zufrieden, Der Zauber war aber von solche Art, dass von nun an die Hälfte der Golddukaten auf dem Pflaumenbaum des Barons und die andere Hälfte auf dem seines Nachbarn wuchsen.

Als das nächste Jahr herankam, schlichen der eine wie der andere wohl ein dutzend Mal am Tag in den Garten, um ihre Pflaumen zu zählen, aus denen bald Goldmünzen werden sollten. Die Frau des Nachbarn, die nicht wusste, warum er immer fortlief, lag ihm deshalb so lange in den Ohren, bis er ihr’s eingestand. Dann wussten’ bald alle Weiber in Schlesien, und zum Schluss wuchs zwischen Troppau und Freiwaldau nur noch ein Goldstück auf jedem Pflaumenbaum. Auch der Baron erntete nur noch ein einziges.

Eines Tages, als er sich einen Braten vom Himmel herunterholen wollte, schoss er eine Wildente flügellahm. Er wollte gerade den Hund nach ihr schicken, da hörte er eine Stimme, die kläglich rief: „Verschone mich, verschone mich, du kannst dir dafür was wünschen!“ Da der Baron den Ton schon kannte, pfiff er den Hund zurück, hob er die Wildente aus dem Wasser und verband ihr die Flügel. „Es tut mir leid, dass ich euch getroffen habe“, sagte er, „aber wie konnte ich wissen, dass ihr jetzt in der Luft herumgeistert?“ „Ich lerne gerade die Kunst des fliegenden Getiers“, sagte der Sohn des Erzzauberers. „Mein Vater hat mich gestern in eine Wildente verwandelt, da bin ich noch ein wenig unerfahren, sonst wäre ich dir nie in die Hände gefallen.“

„Das mag sein, wie es will, aber jetzt musst du mir einen Wunsch erfüllen“, sagte der Baron. „Ich wünsche mir, dass auf meinem Birnbaum Goldbirnen wachsen.“ – „ So weit bin ich noch nicht“, antwortete der Sohn des Zauberers, „ da musst Du meinen Vater bitten.“ Noch in derselben Nacht fuhr der Baron mit seinem Kahn über den Teich. Dort, wo sich die Schilfstraße gabelt, bog er nach rechts ab und hielt vor dem Rohr mit den fünf Kolben. Dann sagte er seinen Spruch und glitt durch den Kanal, so eng wie ein Nadelöhr, zu dem Wasserschloss des Erzzauberers.

Der saß mit seinen sieben Töchtern und zwölf Söhnen in einem Schiff und gab gerade Zauberunterricht. In diesem Augenblick bemerkte der den Baron, der in seinem Kahn heran gerudert war. „Was willst du schon wieder hier?“ fuhr er ihn an. „Weißt du nicht, dass ich dich in einen Wassertropfen verwandeln und ins Meer fallen lassen kann?“ „Das könnt ihr nicht“, widersprach der Baron, „ihr müsst mir vielmehr einen Wunsch erfüllen, weil ich die Wildente, Euren jüngsten Sohn, gerettet habe.“ „Weiß schon, weiß schon“, knurrte der Zauberer unwillig. „Geh heim, warte die Erntezeit ab und schüttle deinen Birnbaum leer, dann hast du mehr Gold, als du je verbrauchen kannst.“

Das wäre auch so gewesen, wenn nicht der Nachbar es wieder entdeckt hätte. Diesmal plagte ihn seine Gicht, sein schmerzendes Knie ließ ihn nicht schlafen. Da hörte er’s im Garten nebenan „ plums, plumpumps und plumpumpums“ – da waren des Barons dicke Goldbirnen, die fielen polternd ins Gras. Da lief er hin und verlangte die Hälfte, sonst wollte er ihn anzeigen wegen Hexerei. Und darauf stand damals der Tod auf dem Scheiterhaufen.

Was blieb dem Baron übrig? Er musste das Geheimnis mit seinem Nachbarn teilen, und gleich war nur noch die Hälfte seiner Birnen aus Gold, die andere Hälfte bloß gut für Zunge, Gaumen und Magen. Und dann plauderte die Frau des Nachbarn das Wunder weiter, sie meinte, sie müsse ersticken, wenn sie’s für sich behielte. Da wuchs zuletzt nur noch eine Goldbirne auf jedem Birnbaum zwischen Troppau und Freiwaldau, und endlich waren es nur noch goldene Stengel und Kerne, und dann blieben auch die aus.

„Das nächste Mal muss ich’s klüger anfangen“, sagte der Baron. Immer wenn er fischte, hoffte er, dass ihm der Sohn des jüngsten Zauberers an der Angel hinge, und wenn er auf die Jagd ging, sah er ihn in jedem Hasen und Schnepfe. Aber sei es, dass der andere nun die Zauberkunst besser verstand oder sie anderswo übte – der Baron angelte nur gewöhnliche Barsche und Weißfische und stöberte nur wilde Kaninchen und Wachteln auf. So verging manches Jahr. Dann kam eine große Dürre über das Land, und wo man früher doppelt und dreifach geerntet hatte, gab es jetzt nur noch ein Viertel oder weniger. Da rückten dem Baron die Gläubiger auf den Hals und wollten ihm das Gut versteigern.

Traurig nahm er seine Axt und ging in den Wald, um einen Baum zu fällen, denn er hatte nicht einmal mehr Holz für seinen Kamin. Sowie er aber den ersten Schlag tat, ertönte eine Stimme; „Lass mich leben, du darfst dir dafür auch was wünschen!“ „Seid Ihr jetzt ein Baum?“ fragte der Baron, der die Stimme wohl kannte. Da sagte der Sohn des Zauberers, dass er gerade lerne, wie die Bäume wachsen und Nahrung aus der Tiefe der Erde ziehen und mit Ast und Zweig gegen den Himmel streben. Bald würde er alles wissen, dann könne er jede Gestalt annehmen und nach Gefallen leben wie Mensch, Tier, Pflanze oder Stein.

„Aber zuerst musst du auf meinem Apfelbaum goldene Äpfel wachsen lassen“, sagte der Baron. „Das kann ich wohl“, antwortete der Sohn des Zauberers, „denn mein Vater hat mich jetzt alles gelehrt. Denke aber daran, wie dir’s mit den goldenen Pflaumen und den Goldbirnen erging, und wünsch dir was anderes!“ Da wünschte sich der Baron, dass Goldstücke aus seinen Fingern sprängen, immer wenn er sie knacken ließ, und das wurde ihm gewährt.

Von jetzt an konnte der Nachbar, von Zahnschmerzen, Gicht oder Magendrücken geplagt, noch so angestrengt aus dem Fenster lauschen, er hörte kein Klirren mehr, kein Plumpsen und kein Hoppla – pardauz. Der Baron aber zahlte seine Schulden und hinterließ seinen Erben die ganze Kornkammer voll Gold. So oft hatte er seine Finger knacken lassen.

Schlesische Märchen. nacherzählt u. hrsg. von Roderich Menzel, München, Berlin: Herbig, 1979.
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